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Im Gedenken an Anton Beck, Vorsitzender des Vereins

Herr Anton Beck, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Deutschen Humanitärer Vereins „St. Gerhard“ und seit letztem Jahr auch Vorsitzender des Nationalrates der Deutschen Minderheit in Serbien, verstarb am 5. April 2019 im Alter von 69 Jahren. Die Gedenkveranstaltung wurde am 8. April 2019 um 12.30 Uhr in den Räumlichkeiten des Deutschen Vereins „St. Gerhard“ abgehalten. Die Beerdigung fand am gleichen Tag um 15.00 Uhr auf dem großen katholischen Friedhof in Sombor statt. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung verabschiedeten sich stellvertretend für die Stadt Sombor Herr Nemanja Sarač  und im Namen des Deutschen Verein „St. Gerhard“ Herr Petar Rang sowie Herr Antun Renc, ein langjähriger Freund und Vereinsmitglied, mit Abschiedsreden von Herrn Beck. Auf der Beerdigung sprachen Herr Mihael Plac im Namen des Nationalrates der deutschen Minderheit in Serbien sowie Seine Exzellenz Herr Thomas Schieb, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Serbien, Abschiedsworte.     

Den letzten Gruß des Deutschen Vereins „St. Gerhard“ sowie des Nationalrates der Deutschen Minderheit können Sie hier lesen.

Mit dem Text von Herrn Ralph Menz erinnern wir uns an das Leben und Werk unseres lieben Herrn Becks:

Anton Beck suchte und pflegte die Gemeinschaft und wird als großer Brückenbauer in Erinnerung bleiben. Rund 500 Trauergäste nahmen auf dem katholischen Friedhof von Sombor Abschied vom Vorsitzenden des „Deutschen Humanitären Vereins St. Gerhard“ Sombor und des Nationalrats der deutschen Minderheit in Serbien. Anton Beck war am 5. April nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren gestorben.

Anton Beck wurde am 8. September 1950 in Sombor geboren und entstammt einer donauschwäbischen Familie. Er wuchs mehrsprachig auf. Es sollten die Wurzeln eines Lebens sein, das die wechselvolle Geschichte der Deutschen im ehemaligen Jugoslawien und dem heutigen Serbien ein Stück weit widerspiegelt.

Renaissance der Donauschwaben

Von unserem ersten Treffen vor einigen Jahren ist mir noch gut in Erinnerung, wie er glücklich und stolz davon erzählte, dass die Zeiten, in denen die Mutter die Kinder einst ermahnte, auf der Straße besser nicht Deutsch zu sprechen, doch glücklicherweise vorbei sind. Ja, er sprach sogar davon, dass die Donauschwaben in Serbien eine kleine Renaissance erleben würden. Sie würden in der Öffentlichkeit wieder als Teil der Geschichte des Landes wahrgenommen und anerkannt.

Das dem heute so ist, daran hat Anton Beck einen unschätzbaren Anteil

Es ist heute rund 270 Jahre her, da entschloss sich der Fassbinder Johann Beck aus Schwaben für eine bessere Zukunft mit seiner Familie auszuwandern. Er packte seine Habseligkeiten und Baumaterial für ein neues Haus auf ein Boot, fuhr mit der Ulmer Schachtel die Donau hinab, landete in Apatin und ging zu Fuß nach Sombor.

250 Jahre und sieben Generationen später gründete dort sein Nachkomme Anton Beck 1999 zusammen mit anderen den „Deutschen Humanitären Verein St. Gerhard“. In ihm haben sich die Nachfahren der Donauschwaben organisiert. Sie halten die Erinnerung an die Vergangenheit wach und unterstützen sich in der schwierigen Gegenwart.

Beck hatte seine Berufung gefunden

Im Gerhard-Verein, wie er in Sombor kurz heißt, hatte Anton Beck seine Berufung gefunden. Schon vor der Vereinsgründung war er als Koordinator für humanitäre Hilfe für die donauschwäbische Bevölkerung engagiert.

Anton Beck war in Sombor und der Vojvodina für viele Donauschwaben das Bindeglied einer schrumpfenden Gemeinschaft. Er organisierte Hilfe, wo sie gebraucht wurde, und entwickelte den Verein in Sombor zu einem Zentrum und Anlaufpunkt für die Donauschwaben.

Stets pflegte er in Gespräche warme Worte über seine Mitstreiter im Verein ein – sei es die Geschäftsstelle, die Freiwilligen aus Deutschland und natürlich die vielen Ehrenamtlichen aus Sombor und der Umgebung. Sie alle machten den Verein zu dem, was er ist und leistet. Wenn Anton Beck darüber sprach, waren es keine Floskeln. Es kam von Herzen.

Großer Brückenbauer

Neben seinem Wirken in der Gemeinschaft baute Anton Beck viele Brücken. Zum einen in die serbische Gesellschaft und Politik, wenn es darum ging, deutsche Friedhöfe und Gedenkstätten zu pflegen oder wie zuletzt in Bački Jarak neu zu errichten. Zum anderen aber auch zu den Donauschwaben nach Deutschland. Kaum jemand in Deutschland, der sich für seine donauschwäbischen Wurzeln in Serbien interessierte und Anton Beck nicht kannte.

Beck empfing unermüdlich Besuchergruppe um Besuchergruppe, erklärte Schülern die alten Trachten und war in der deutschen Botschaft in Belgrad stets präsent, wenn es um Anliegen der deutschen Minderheit in Serbien ging. Seine Donauschwaben vertrauten ihm und so war er seit dem vergangenen Jahr auch Vorsitzender im Nationalrat der Deutschen Minderheit in Serbien.

Eine Arbeit, die auch der deutsche Botschafter in Serbien, Thomas Schieb, in einer Traueransprache in Sombor würdigte. „Ich war tief beeindruckt von Anton Becks Engagement und der Zielstrebigkeit mit der er sich für die Anliegen der deutschen Minderheit einsetzte.“

Erinnerungen an Anton Beck

Als ich Anton Beck im Dezember bei der Weihnachtsfeier für die Kinder im Verein das letzte Mal traf, da konnte ich ihm zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gratulieren, das er wenige Tage zuvor aus den Händen des Botschafters erhalten hatte. Es sei mehr als verdient, sagte ich ihm. In seiner Bescheidenheit mochte er gar nicht weiter darüber reden.

Für viele der Trauergäste sind Nationalrat und Gerhard-Verein ohne Anton Beck nicht vorstellbar. „Der Tod von Anton Beck reißt eine große Lücke, die wir mit den vielen schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit füllen wollen, die wir aber niemals werden ganz schließen können“, sagte ein Vertreter des Nationalrats.

So war die Trauerfeier in Sombor nicht nur die Stunde des Abschieds, sondern auch Gelegenheit, Erinnerungen an Anton Beck zu teilen. Viele, die Anton Beck als Vorsitzenden kannten, mussten vielleicht schmunzeln, als sie hörten, dass er als junger Mann leidenschaftlicher Musiker war und als Mitglied im jugoslawischen Rallye-Nationalteam ein draufgängerischer Autofahrer. Ehemalige Kollegen erinnerten an die Berufszeit von Anton Beck als gewissenhafter Techniker beim Regionalsender Radio Sombor.

Anton Beck war tief verwurzelt im katholischen Glauben und Mitglied des Ritterordens „St. Georg“. Dessen Leitmotiv „Gerechtigkeit und Klugheit, Mäßigkeit und Starkmut, Verantwortlichkeit und Redlichkeit, Treue und Sittsamkeit“ könnte den Menschen Anton Beck kaum besser beschreiben.

Anton Beck hatte noch viel vor. Zuletzt engagierte er sich für das geplante „Donauschwäbische Museum Sombor“, das bald als Teil des städtischen Museums Sombor die Geschichte der Donauschwaben in Stadt und Region zeigen soll.

Die Eröffnung kann er nicht mehr erleben. Der Tod kam zuvor.

Für alle, die ihn kannten, schätzten und liebten, ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass er seine letzte Ruhe auf dem Großen katholischen Friedhof in Sombor findet, der direkt an das Domizil des Gerhard-Vereins grenzt. So ist er zwar gegangen, seinem geliebten Verein aber doch nah geblieben.

Im Gedenken an Anton Beck, Vorsitzender des Vereins
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